Es gibt Läufe, auf die freust du dich… und es gibt Läufe wie heute.
Ich bin aufgewacht und wusste es eigentlich schon im ersten Moment: Heute wird schwierig. Kein Bock. Keine Vorfreude. Kein innerer Push. Einfach dieses klare Gefühl, dass ich alles andere lieber machen würde, als jetzt die Laufschuhe anzuziehen.
Meine Beine haben das Gefühl bestätigt. Der Abend davor steckte mir noch in den Knochen – Fussballtraining mit Richtungswechseln und Sprints. Genau die Kombination, die man am nächsten Morgen spürt. Waden, Oberschenkel, Fussgelenke, Lustsehne – alles duets mir weh.
Und trotzdem stand im Trainingsplan klar:
5km Dauerlauf, 4:30 – 4:45 Pace pro Km
Also bin ich aufgestanden, habe mich angezogen, nichts gegessen, nichts vorbereitet, einfach nur funktioniert. Rein ins Auto, Richtung Heimberg und Gambino laufen lassen – mit der Hoffnung, dass zumindest die Musik etwas Motivation bringt.
Ganz ehrlich: Es hat nicht viel gebracht. Aber genug, um nicht umzudrehen.
Aarerundi Heimberg – perfekte Bedingungen, falscher Kopf
Als ich ankam, war eigentlich alles bereit für einen guten Lauf.
Trocken. Bewölkt. Angenehme Temperatur. Genau die Bedingungen, bei denen man normalerweise denkt: Heute geht was.
Ich stand dort, habe meine Schuhe gebunden und mir gedacht: Das wird mies.
Deshalb: Kein langes zögern, kein grosses Aufwärmen. Einfach loslaufen bevor der Kopf noch eine Ausrede findet.
Der Anfang – kontrolliert aber ohne Gefühl
Die ersten Meter haben sich genau so angefühlt, wie ich es erwartet habe.
Schwer, zäh, unrund.
Ich habe versucht, mich strikt an den Plan zu halten. Nicht überziehen, nicht einbrechen. Einfach die Pace treffen und laufen.
- 1km: 4:29
- 2km: 4:28
- 3km: 4:19
Objektiv gesehen: sauber. Genau im Sollbereich.
Subjektiv gesehen: alles andere als locker.
Es war kein Lauf, bei dem ich in einen Flow kam. Kein Lauf, bei dem man irgendwann vergisst, dass man läuft. Jeder Schritt war bewusst, jeder Gedanke präsent. Und die meisten davon gingen in die gleiche Richtung: Heute ist nicht dein Tag.
Alleine auf dem Weg und plötzlich ehrlich mit sich selbst
Heute war ich alleine unterwegs. Kein Vater am Streckenrand. Kein Feedback. Kein „zieh durch“. Nur ich, der Weg entlang der Aare und mein Kopf.
Und genau in solchen Momenten wird es ehrlich.
Weil du dich nicht ablenken kannst. Weil niemand da ist, der dich pusht. Weil du selbst entscheiden musst, ob du das Ding durchziehst oder nicht.
Ich wollte diesen Lauf einfach nur hinter mich bringen. Kein persönlicher Rekord, kein besonderer Moment, einfach Run 4 erledigt haben.
Zumindest dachte ich das…
Der Moment, in dem sich alles verschiebte
Irgendwann nach der Hälfte hat sich etwas verändert.
Nicht plötzlich, nicht spektakulär. Eher subtil. Mein Körper hat angefangen sich zu stabilisieren. Die Bewegungen und Schritte wurden gleichmässiger, der Atem kontrollierter. Die Beine waren immer noch müde, aber sie haben angefangen, mitzuarbeiten.
Und ohne dass ich bewusst Tempo gemacht habe, wurde ich schneller.
- 4km: 4:08
Und genau in diesem Moment realisierst du etwas: Du bist stärker, als dein Kopf dir am Anfang eingeredet hat.
Der letzte Abschnitt
Die letzten Meter waren kein klassischer „lockerer Auslauf“.
Es war eher ein kontrolliertes Loslassen.
Ich habe nicht mehr gross über Pace und Trainingsplan nachgedacht. Einfach laufen und schauen was passiert (ähnlich wie beim letzten Intervall in Run 3).
Und genau das war vielleicht der entscheidende Punkt.
Weil genau in dem Moment, in dem du aufhörst, alles kontrollieren zu wollen, übernimmt dein Körper.
Und dann kam dieser letzte Abschnitt:
- 5km: 3:35
Nach einem Start, bei dem ich am liebsten wieder ins Auto gestiegen wäre.
Die Zahlen – und was sie nicht erzählen
Am Ende stehen die nackten Zahlen:
- Distanz: 4.96km
- Dauer: 20:59 Minuten
- Ø Pace: 4:14/km
Auf dem Papier solide, vielleicht sogar unspektakulär. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, steckt in diesem Lauf deutlich mehr.
Denn während ich versucht habe, den Lauf irgendwie durchzubringen, sind nebenbei Dinge passiert mit denen ich in diesem Moment überhaupt nicht gerechnet habe:



Und genau das macht diesen Lauf so speziell.
Die Bestzeiten waren nie das Ziel.
Sie haben sich einfach ergeben.
An einem Tag, der sich zu Beginn alles andere als gut angefühlt hat.
Warum auch dieser Lauf wichtig war
Wenn ich ehrlich bin, war das heute kein schöner Lauf.
- Nicht elegant
- Nicht leicht
- Nicht motiviert
Aber genau deshalb war er so wertvoll. Weil er zeigt, dass Fortschritt nicht dann entsteht, wenn alles passt.
Sondern dann, wenn du es trotzdem machst.
Disziplin ist unspektakulär – aber entscheidend
Motivation ist laut. Sie kommt, wenn du Energie hast. Wenn du Lust hast. Wenn alles stimmt.
Disziplin ist leise. Sie zeigt sich genau an Tagen wie heute. Wenn du keine Lust hast. Wenn du zweifelst. Wenn du dich eigentlich dagegen entscheiden würdest.
Und genau dann entscheidet sich, ob du näher an dein Ziel kommst, oder stehen bleibst.
Zum Schluss noch kurz…
Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob ich heute beim Laufen mehr geschwitzt habe… oder ob ich heute Abend beim Champions-League Rückspiel zwischen Bayern und Real mehr schwitzen werde…
Die Hälfte meines Projekts ist mit diesem Blog erreicht aber Chasing Sub 20 geht weiter!


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