Es ist Ende Semester, und langsam merkt man, wie sich alles verdichtet. Die Deadlines rücken näher, Meetings häufen sich, und irgendwo dazwischen versuche ich weiterhin, die Runs sauber durchzuziehen und das Projekt am Leben zu halten. Der Zeitdruck ist dabei nicht nur auf der Strecke spürbar, sondern auch im Studium selbst.
Der Mittwochvormittag war komplett mit einem Teams-Meeting eines anderen Moduls gefüllt. Danach schnell etwas gegessen und ohne gross zu überlegen relativ spontan los Richtung Heimberg.
Eigentlich keine ideale Vorbereitung.
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es keine gute Idee ist, kurz vor einer intensiveren Belastung zu essen. Das habe ich bereits im Fussball mehr als einmal zu spüren bekommen, wenn ich vor dem Spiel noch etwas reingedrückt habe und die Quittung dann während der Partie kam.
Und trotzdem machte ich es wieder.
Der Plan – und was ich daraus gemacht habe
Die Vorgabe des Trainingsplans war an sich simpel: ein Dauerlauf über 5 Kilometer in 25 Minuten, also maximal 5:00 pro Kilometer, anschliessend noch 15 Minuten locker auslaufen und etwas Beweglichkeit.
Ein Lauf, der eigentlich dafür gedacht ist, ruhig und kontrolliert zu bleiben.
Ich fühlte mich beim Start ziemlich gut und hatte deshalb nicht wirklich das Bedürfnis, mich strikt an die Vorgabe zu halten. Stattdessen setzte ich das Tempo bewusst etwas höher an. Etwa 30 bis 45 Sekunden pro Kilometer schneller als geplant.
Kein kompletter Angriff, aber definitiv auch kein klassischer, lockerer Dauerlauf mehr.
Weniger Gefühl für Fortschritt
Die ersten Kilometer liefen überraschend stabil.
Das höhere Tempo fühlte sich kontrolliert an, die Beine waren locker und auch die Atmung passte. Ich merkte relativ schnell, dass ich die angepeilte Pace gut halten konnte und sich der Lauf insgesamt „runder“ anfühlte als noch bei den vorherigen Einheiten.
Was mir dabei aber sofort auffiel, war die Veränderung der Umgebung.
Entlang der Aare ist alles deutlich grüner geworden. Die Bäume sind dichter, die Wege wirken enger, und man sieht nicht mehr so weit voraus wie noch vor ein paar Wochen. Eigentlich ein schönes Bild aber während des Laufens hatte es einen unerwarteten Effekt.
Es fühlte sich an, als würde ich weniger vorwärts kommen.
Normalerweise orientiere ich mich stark daran, wie sich die Strecke visuell „öffnet“, wie weit ich sehe und wie sich der Raum vor mir bewegt.


Anfang März (Bild rechts) war hier noch alles offen graue Wege, kahle Bäume, man konnte weit nach vorne schauen und hatte das Gefühl, mit jedem Schritt wirklich Strecke zu machen. Jetzt, im Mai (Bild links), ist alles grün, dichter, fast schon „zugewachsen“. Die Sicht wird kürzer, der Raum enger und genau das verändert die Wahrnehmung komplett.
Kilometer 4: die Rechnung kommt
Bis Kilometer 3 lief alles sauber.
Dann kam Kilometer 4.
Und ziemlich genau dort meldete sich das, was ich eigentlich schon vor dem Start hätte wissen müssen.
Das Essen.
Die Belastung fühlte sich plötzlich deutlich schwerer an. Die Atmung wurde unruhiger, die Beine nicht unbedingt müde, aber irgendwie weniger effizient. Es war kein kompletter Einbruch, sondern eher ein schleichender Widerstand, der sich bemerkbar machte (auch im Bauch…).
Die Pace ging leicht runter auf etwa 4:21/km und ich merkte, dass ich mich mehr auf das Durchziehen konzentrieren musste als noch ein paar Minuten zuvor.
Genau die Situation, die ich aus dem Fussball kenne.
Zu spät gegessen, und irgendwann kommt der Moment, in dem der Körper die Prioritäten verschiebt und dir klar macht, dass das vielleicht nicht die beste Entscheidung war.
Zurück in den Rhythmus
Nach diesem kurzen Einbruch ging es darum, wieder in einen Rhythmus zu finden.
Ich habe bewusst etwas Tempo rausgenommen, mich auf die Atmung konzentriert und versucht, den Lauf wieder zu stabilisieren. Und genau das hat auch funktioniert. Mein Körper hat sich relativ schnell wieder gefangen, das unangenehme Gefühl ist abgeflacht, und ich konnte den letzten Kilometer sauber zu Ende laufen.
Kein Endspurt.
Kein unnötiges Pushen.
Einfach kontrolliert ins Ziel.
Rückblickend genau die richtige Entscheidung.
Nach dem Lauf einmal runterfahren
Nach den 5 Kilometern ging es nicht direkt nach Hause.
Ich habe kurz beim Auto angehalten, etwas Wasser geholt und bin dann noch ein Stück entlang der Strecke weitergelaufen. Locker, ohne Druck, einfach um den Lauf sauber ausklingen zu lassen.
Der Puls kommt runter, die Gedanken sortieren sich, und man hat kurz Zeit, das Ganze einzuordnen. Gleichzeitig nutzte ich genau diese Phase auch, um ein paar Bilder der Umgebung zu machen.


Ein Teil dieses Projekts ist es ja auch, genau solche Augenblicke festzuhalten.
Die Strecke, die Umgebung, die kleinen Details.
Und irgendwo dazwischen auch ein kurzer Moment auf der Bank, einfach sitzen und durchatmen.

Fazit
Dieser Lauf war nichts Aussergewöhnliches.
Aber genau solche Einheiten sind es, die das Ganze tragen.
Trotz Zeitdruck im Studium.
Trotz nicht idealer Vorbereitung.
Trotz kleiner Fehler unterwegs.
Die Pace war am Ende deutlich unter der Vorgabe, der Lauf insgesamt stabil und vor allem: ohne Zwischenfall beendet ;).
Und genau das zählt.
Nicht jeder Run muss besonders sein.
Aber jeder Run bringt dich ein Stück weiter.


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